my words versus Chatgpt

Stinky Fish Solution

oder: Stinkefischalarm in der Deutschen Bahn: – ein Stück Ostseefeeling

mis palabras:

“Die Gänge müssen frei bleiben!”, fährt mich die Zugbegleiterin der Deutschen Bahn an, während ich mein Fahrrad hin und her manövriere, sodass es möglichst niemanden behindert. Links und rechts, vorne und hinten, überall stehen Menschen und Fahrräder. Alle wollen sie vom Ostsee/ Himmelfahrts-/ Wochenendtrip wieder zurück nach Hause. 

Eine halbe Stunde später in Pasewalk versuchen mein Vater, meine schwangere Schwester und ich in den nächsten Regionalzug mit dem Ziel Berlin-Südkreuz zu steigen, der bereits hoffnungslos überfüllt ist. Meine Schwester schafft es zum Glück, womöglich hatten ein paar Bahninsassen Mitgefühl mit ihr und rückten noch enger zusammen. Mein Vater und ich rennen mit unseren Drahteseln den gesamten Bahnsteig ab, vergeblich! Die Menschen im Zug vermischen sich zu einem einzigen Brei, der aus den Türen herausquetscht. Papa und ich sehen es ein, dieser träge Menschenbrei kann nicht mehr wachsen, also orientieren wir uns um. Vor den Fahrplänen auf dem Gleis haben sich unzählige Passagiere mit und ohne Rad versammelt, denen wohl Ähnliches widerfahren ist. Neben dem Zischen des Zuges, der nur schleppend an Fahrt gewinnt, vernehme ich aus der Mitte der Menschentraube eine resolute, doch warmherzige Frauenstimme: 

“Hier fährt der nächste Regio erst in drei Stunden, der genauso voll sein wird. Fahrt nach Neubrandenburg, da geht auch einer nach Berlin, der RE5! Der ist meistens nicht so voll.”

Diese Frau hat tatsächlich recht, stellen mein Vater und ich fest, als wir ihre Aussage mit googlemaps überprüfen. Welch Engel, der da in der Masse posaunt! Es fehlt lediglich das trötende Blechblasinstrument in ihrer Hand.

Wir fahren also mit einer Mini-Regiobahn nach Neubrandenburg, ohne großartige Hindernisse und Vorkommnisse, und können problemlos in einen RE-Zug steigen, der sogar – man mag es kaum glauben, dass die DB in diesem Fall mal geschaltet hat – ein komplettes Fahrradabteil besitzt! Mein Papa und ich stellen unsere Räder ab und kämpfen uns durch die Waggons, deren Sitzplätze zum großen Teil bereits belegt sind. Wir finden jedoch zwei, nicht nebeneinander, aber immerhin, und zum ersten Mal seit einer Weile, atme ich, mit meinem Rucksack auf dem Schoß, bewusst tief ein und aus. Plötzlich steigt mir ein äußerst unangenehmer, stechender Geruch in die Nase. Irgendwie fischig, denke ich, das Meer ist wohl mitgereist.

Dann dämmert es mir … Oh je, die Matjesfischhaut, die hab’ ich ja komplett vergessen! Die Reste meines Fischbrötchen vom Mittag schlummern noch immer irgendwo in meinem Rucksack. Möglichst unauffällig versuche ich ihn unter den Sitz zu verstauen. Meine Sitznachbarin, eine Frau Anfang fünfzig, hat scheinbar nichts bemerkt. “Trauriges Deutschland”, murmelt sie und blickt mich auf einmal an. Mit leicht zusammengekniffenen Augen warte ich, dass sie mich auf den Gestank anspricht. “Da wollen sie, dass wir mit dem Fahrrad fahren, aber die Deutsche Bahn versagt komplett. Typisch! Die sollten sich echt was schämen!”

Es wird voller und voller von Station zu Station. Der Zug lässt Familien mit kleinen und größeren Kindern, jüngere und ältere Alleinreisende, Radfahrer*innen, Student*innen, etc. einfach auf dem Bahnsteig stehen! Nachdem der Zug wieder ins Rollen kommt, rattert der Bahnangestellte seinen auswendig gelernten Text durchs DB Mikro, als wäre alles normal und routiniert. Kein Wort zu den extremen Bedingungen, keine Entschuldigung, nichts. Diese automatisierte Welt mit diesen automatisierten Höflichkeitsfloskeln, ob im Flugzeug oder eben in der Bahn, schrecklich!

Schweigend tuckern wir, erneut zu einem “Menschenblubberbrei” zusammengeschmolzen, dahin. Das Ganze hat irgendwie etwas Menschenunwürdiges. Zwischendurch freue ich mich immer wieder über das Glück einen Sitzplatz ergattert zu haben. 

An der Endstation S-Bahnhof Südkreuz, als die meisten Leute bereits ausgestiegen sind, schmeiße ich meinen stinkenden Papierbeutel in den winzigen Mülleimer der Deutschen Bahn. 

“Rache ist Heringshaut!”, sage ich zu meinem Vater, der mich stirnrunzelnd anblickt, und steige einen Augenblick später triumphierend mit meinem Fahrrad aus dem Waggon der Deutschen Bahn, der nun nicht mehr nach Menschenunwürde riecht, sondern nach stinkender Matjeshaut!

Aufgabe für chatgpt: Schreibe eine Geschichte über eine stinkende Fischhaut und die Deutsche Bahn

ChatGPT:

Es war ein heißer Sommertag, als Pauline beschloss, ihre Großeltern in einem kleinen Dorf am Meer zu besuchen. Sie hatte schon lange nicht mehr mit ihnen gesprochen und freute sich auf die Zeit, die sie miteinander verbringen würden. Pauline machte sich früh morgens auf den Weg zum Bahnhof, um den Zug zu nehmen.

Als sie den Bahnsteig erreichte, bemerkte sie sofort einen unangenehmen Geruch. Es war ein scharfer, fauliger Gestank, der ihre Nase erreichte. Pauline sah sich um und entdeckte einen Mann, der eine riesige Tüte bei sich trug. Aus der Tüte ragte etwas heraus, das wie eine Fischhaut aussah. Es war offensichtlich die Quelle des Geruchs.

Pauline konnte den Gestank kaum ertragen, aber sie wollte den Zug nicht verpassen. Sie stellte sich in sicherer Entfernung von dem Mann auf und hoffte, dass der Geruch bald verschwinden würde. Doch je näher der Zug kam, desto intensiver wurde der Geruch. Andere Passagiere versuchten, sich die Nase zuzuhalten und verzogen angewidert das Gesicht.

Endlich öffneten sich die Türen des Zuges, und Pauline trat ein. Sie suchte nach einem freien Platz, aber jeder Wagon schien bereits von dem Gestank erfüllt zu sein. Schließlich fand sie einen Platz in einem völlig leeren Abteil ganz am Ende des Zuges. Zumindest würde sie dort dem Gestank entkommen können.

Während der Zug langsam losfuhr, konnte Pauline sich endlich entspannen. Sie lehnte sich zurück und betrachtete die vorbeiziehende Landschaft. Doch plötzlich hörte sie eine Durchsage des Zugbegleiters: „Sehr geehrte Fahrgäste, wir haben derzeit eine technische Störung und müssen den Zug anhalten. Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Der Zug blieb mitten auf den Schienen stehen, und Pauline konnte den Gestank wieder deutlich riechen. Sie öffnete das Fenster in der Hoffnung auf frische Luft, aber der Geruch schien sich im ganzen Zug verteilt zu haben. Die Fahrgäste waren nun noch frustrierter und beschwerten sich lautstark bei den Zugbegleitern.

Pauline beschloss, mutig zu sein und den Mann mit der stinkenden Fischhaut anzusprechen. Sie ging den Gang entlang und fand ihn in einem der vorderen Wagen. „Entschuldigen Sie“, sagte sie vorsichtig, „ich kann nicht anders, als den unangenehmen Geruch zu bemerken. Gibt es eine Möglichkeit, dass Sie die Tüte irgendwo anders platzieren könnten?“

Der Mann sah Pauline überrascht an und lächelte dann. „Oh, entschuldigen Sie bitte. Ich bin Fischer und habe gerade eine frische Ladung Fischhaut von meinem Fang dabei. Ich wollte sie zum Trocknen mit nach Hause nehmen, aber ich verstehe jetzt, wie störend der Geruch sein kann. Ich werde die Tüte sofort entfernen.“

Pauline war erleichtert und dankbar für die Reaktion des Mannes. Er nahm die Tüte und ging damit aus

Unterhaltung mit meinen Romanfiguren in Zeiten von Covid-19

Mein Herz hüpft wie ein zappelnder Fisch im Netz, als ich unsere Dachterrasse betrete. Am anderen Ende erblicke ich Lily, die gerade die unterschiedlichsten Delikatessen in fünf kleine Schüsseln kippt und auf den zusammengeschusterten Couchtisch stellt.

“Bonjour ma belle, schön Dich zu sehen!”, sage ich. “Lass Dich mal anschauen!”

Es ist in der Tat schon länger her, dass ich einer meiner Figuren so nahe gekommen bin. 

“Hallo Jules!”, sagt sie im ernsten Ton. Während sie auf mich zukommt, streicht sie sich ihre langen, schwarzen Haare aus dem Gesicht. Gute zwei Meter vor mir hält sie abrupt inne, als käme ihr erst in diesem Moment das Virus wieder in den Sinn. Verkrampft winken wir uns zu. Unter normalen Umständen hätten wir uns vermutlich umarmt, nur müssen wir derzeit auf jegliche Berührungen verzichten.

“Danke übrigens für die Einladung! Es ist gut, dass wir uns heute alle mal richtig zu Gesicht bekommen. Ich bin gespannt, was Ihr so Wichtiges mit mir besprechen wollt.”, sage ich. Lily versteht meine Absicht, eine Unterhaltung zu beginnen.

“Wir warten lieber auf die anderen.”, sagt sie nur, als wir zur Sitzecke zurückkehren und uns auf den mit Kissen übersäten, blau-weiß gestreiften Matratzen niederlassen, die den Tisch einrahmen. Lily nimmt gegenüber von mir Platz. Nachdem ich meine halbvolle Weinflasche und mein Glas in eine Ecke abgestellt habe, verteile nun auch ich vorsichtig mit einem Löffel meine mitgebrachten Oliven in mehrere Gefäße. Ich gebe mir Mühe, sie nicht mit meinen Fingern anzufassen. Danach stelle ich die Säfte und ein paar Teelichter in die Mitte des Tisches und lasse schließlich den Blick über die Dächer von Palma schweifen. Die Frühlingssonne hängt tief am Himmel und hinterlässt orange-rote Spuren am Horizont. 

“Die Lichter zünden wir später an.”, sage ich leise und unverständlich, eher zu mir selbst. Eine Kirchenglocke läutet zweimal, Schwalben tanzen in der feuchtwarmen Luft umher und zwitschern Lieder von Abenteuern und fernen Ländern. Die in rötliches Licht eingetauchte Kirchenspitze und die eng aneinander stehenden Häuser strahlen eine sanfte Ruhe aus. Bis auf eine Person, die gegenüber von unserem Gebäude eine Verbindungstreppe wie ein Aufziehmännchen rauf – und runter rennt, befindet sich niemand auf den Dachterrassen, die sich wie holprige, unebene Teppiche am Horizont ausdehnen.

Lily tut es mir gleich, auch sie schaut sich auf der Dachterrasse um und mustert die für Mallorca typischen Pflanzen, Sukkulente oder Aeonium genannt, die in gigantischen Töpfen die Terrassenmauern dekorieren. Indessen hole ich unauffällig mein I-Phone aus der Hosentasche und überprüfe, ob es auf stumm geschaltet ist. Danach drücke ich es fest in meine Tasche hinein, um nicht zu riskieren, dass es nachher zum Vorschein kommt und von den Kids entdeckt wird. Ich möchte nicht, dass meine Gäste zu häufig mit der heutigen Technik konfrontiert werden. Es genügt schon, dass jede(r) von ihnen einen Fernseher mit Netflix in der Wohnung hat. Zu viele Neuheiten würden nur zu noch mehr Verwirrungen führen. 

“Ein Glück haben wir in dieser kuriosen Zeit die Dachterrasse! Wenn wir wirklich noch länger an diesem Ort verweilen, könnten wir damit anfangen, hier oben Bienen zu züchten, die Terrasse ist tatsächlich sehr geeignet dafür! … Die Bienen, die ich bisher gesehen habe, kann ich an einer Hand abzählen!”, sagt Lily, ihren Blick nun wieder auf mich gerichtet. Noch ganz die Alte, denke ich und lächele; das ist meine Lily, die Umweltschützerin, die ich nur zu gut kenne

Plötzlich höre ich schnelle, laute Schritte, die aus dem Treppenhaus kommen. Konzentriert versuche ich sie zuzuordnen. Santi, eindeutig. 

“Hola guapas!”, ruft dieser und streckt seinen Kopf aus dem Terrassenzugang heraus. 

Bei uns angelangt, legt er seinen Stoffbeutel vorsichtig ab, in dem irgend etwas aneinander klirrt, und lässt sich danach sportlich auf eine der Matratzen plumpsen, als handele es sich um ein Trampolin, das die Aufgabe hat, ihn sicher aufzufangen und ihn kurz darauf wieder hoch zu katapultieren. Überrascht stelle ich fest, dass seine Haarfarbe in jedem Licht anders aussieht. Sie scheint sich der Umgebung anzupassen, genau wie ein Chamäleon seine Hautfarbe an die Umgebung anpasst. 

“Gern würd’ ich Euch Ladies einen Handkuss geben, nur erscheint es mir unter den gegebenen Umständen etwas unpassend.”, redet er im gekünstelten Ton und übertriebener Gestik. “Wie läuft’s denn in der Weiberbude? Habt Ihr schon den Quarantäne-Koller?”, wendet er sich an Lily, die als Reaktion darauf nur mit den Augen rollt und sich dann zu mir dreht. 

“Bald müsste doch der Applaus kommen, oder ?”, fragt sie mich. Ich nicke und bemerke, dass wir noch eine halbe Stunde bis dahin hätten. Jeden Abend jubeln wir, jeder von seinem Balkon aus, für die mutigen Krankenschwestern, Pfleger, Ärzte, und für all die Menschen, die in dieser krassen Zeit ihr Leben für andere riskieren.

“Ich wette mit Euch, dass Gio das Meeting vergessen hat. Er ist garantiert noch in irgend einem seiner Wälzer vertieft.”, sagt Santi.

“…und Theo wie immer spät dran. Vorhin war sie noch in der Plattensammlung versunken, die Du ihr in ihrem Zimmer gelassen hast, Juli. Dabei war sie diejenige, die am meisten darauf bestanden hat, dass wir uns heute alle mit Dir auf dem Dach treffen.”, fügt Lily mit leicht genervter Stimme hinzu. Unsere Augen treffen sich kurz, doch dann weicht ihr Blick mir aus. Flink greift sie nach einem der Säfte, gießt den Inhalt in unsere Gläser und stößt mit uns in der Luft auf unsere Gesundheit an. Ganz klar, ein Ablenkungsmanöver. Lily ist offenbar noch immer nicht bereit dazu ist, mir den Grund des Treffens zu verraten. 

“Coroooona!”, schreit Santi laut und lehnt sich mit seinem Glas über die Mauer der Dachterrasse. Kurzzeitig bekomme ich Angst, dass er das Gleichgewicht verliert und hinunter stürzt, aber zum Glück passiert nichts.

Ein kurzes, dumpfes Poltern lässt mich aufschrecken. Wie aus dem Nichts steht Gio plötzlich vor uns, ich habe ihn überhaupt nicht kommen hören. Er hatte seinen Roman aus Versehen fallen lassen; nun er bückt sich, um ihn aufzuheben.

“Ich sehe, die Party hat ohne mich begonnen!”, sagt er und grinst. Dann sucht er sich einen freien Platz auf der Sitzcouch, setzt sich langsam und legt sein Buch neben sich ab. Mir kommt währenddessen die Schildkröte Morla der unendlichen Geschichte in den Sinn. Danach streicht er noch ein paar Mal mit der Handfläche sanft über das Cover. Mit leicht ausgestrecktem Oberkörper lese ich den Titel: Krieg und Frieden. Ganz schön heavy, denke ich und bemerke im selben Moment, wie Lily ihm verstohlene Blicke zuwirft. Sie öffnet ihren Mund, als wolle sie irgendetwas sagen, stattdessen schaut sie wieder zur Seite und errötet leicht. Unterdessen dreht Santi sich zu seinem Kumpel Gio, legt ganz unvermittelt den Kopf in den Nacken und reißt seinen Mund weit auf. Ein übertrieben lautes “Haaaatschi” folgt. “Attacke der Coro-Viren!”, ruft er kurz darauf mit schallender Stimme und niest erneut voller Inbrunst, während sich einen Augenblick später abertausende Tröpfchen auf Gios Gesicht und Körper niederlassen. 

“Igitt,” schreit Letzterer reflexartig. Doch braucht es nicht lange, bis wir alle begreifen, dass Santi mit einem Wassersprüher für Blumen nachgeholfen hat, da die Menge der Spritzer in der Tat beträchtlich ist. Während Santi sich über seinen Scherz amüsiert und Gio, der seinen Freund natürlich nicht hängen lassen will, kurz darauf mit einstimmt, verfinstert sich Lilys Miene zusehends. Wäre ihr Gemütszustand Teil eines Films, gäbe es an dieser Stelle wohl einen sprunghaften Szenenwechsel im Geschehen, als wandle sich das verträumte Auenland mit seinen sattgrünen Wiesen schlagartig ins düstere, kahle Mordor um. 

“Wie könnt Ihr nur so geschmacklos sein?”, faucht Lily Santi angewidert an. Ihre Gestalt lässt mich an die einer schwarzen Raubkatze mit leuchtend blauen Augen erinnern, die ihre Jungen verteidigt. Ihre Jungen, das sind in diesem Falle all diejenigen, die ihr Leben wegen Covid-19 lassen mussten, all diejenigen, die sich dem Kampf dieser neuen Krankheit stellen, all diejenigen, die ihr Leben für die Erkrankten riskieren, um sie zu retten. Die beiden Jungs verstummen mit einem Male. Den Blick auf mich gerichtet, greift sich Lily schweigend ihr Glas und geht zur Terrassenmauer hinüber. Ein stiller Vorwurf steht ihr ins Gesicht geschrieben. Ich folge ihr und stelle mich mit dem nötigen Abstand neben sie.

“Es sind doch nur verspielte Jungs. Nimm sie nicht so ernst.”, versuche ich sie zu besänftigen. Sie schenkt mir ein leichtes Lächeln, das jedoch aufgesetzt wirkt; dabei verdreht sie, kaum sichtbar, die Augen und zieht ihre Augenbrauen in die Höhe. Im Grunde weiß ich, dass es sinnlos ist bei Lily Euphemismen zu benutzen.

Einen Augenblick später beginnen die Jungs sich über die neuen Dinge auszutauschen, die sie in ihrem Exil entdeckt haben. Santi kann sich nicht entscheiden, ob der US-Präsident in der hiesigen Welt einen Wischmopp oder ein Meerschweinchen auf dem Kopf trägt und Gio findet Bill Clintons Affäre gegenüber den Skandalen des Präsidenten hier Kleinkram.

Ich stutze, wundere mich kurz darüber, wie es Santi und Gio nur möglich war, bereits so Vieles über Trump zu wissen, da sie in der Wohnung weder über Internet verfügen, noch elektronische Geräte jeglicher Art besitzen. Doch dann fällt mir ein, dass die beiden natürlich spanisch sprechen und diese ganzen Informationen mit Sicherheit aus dem spanischen Fernsehen erfahren haben. Ja, das klingt logisch.

Nachdem ich mich wieder in meine Sitzecke fallen gelassen habe, hole ich geschwind die Weißweinflasche und das Glas aus meinem Versteck hervor und gieße mir so diskret wie möglich ein Schlückchen ein. Selbstverständlich möchte ich die Truppe nicht zum Alkoholgenuss verleiten, denn in den Staaten sind sie dafür noch nicht alt genug. 

Gio redet ununterbrochen von “diesen flachen Fernsehern” und fragt sich, wie die ganze Elektronik Platz darin findet; Santi schwärmt von den spanischen Spezialitäten, der mallorquinischen Art Pizza, genannt “Coca”, bis hin zur Tortilla, die er jeden Tag essen könnte und macht sich über die winzigen Milch- und Safttüten lustig. In den Staaten seien sie dreimal so groß! Dann fällt Gio ihm wieder ins Wort und spricht von den unendlich vielen Serien auf diesen neuartigen Portalen wie Netflix, die er als “einfach genial” bezeichnet, und schließlich fällt das Thema auf die “Minicomputer”, wie Santi sie bezeichnet, worauf jeder hier apathisch starrt oder herumtippt, wenn man vom Fenster aus in die engen Gassen blickt oder neuere Filme bzw. Serien sieht. 

“Hombre, das sind Zweitgehirne!”, sagt Gio mit überzeugter Stimme. “Die Menschen brauchen ihre Köpfe scheinbar gar nicht mehr einzuschalten, sie brauchen für nichts mehr zu pauken, können alles nachschlagen, alles mit diesen Teilen anstellen. Und ich dachte, das Nokia 6110 wäre die Entdeckung schlechthin!”

Oh, wie recht Gio mit seiner Beobachtung hat, würde ich am Liebsten an dieser Stelle hineinrufen. Wenn Ihr wüsstet, welche Bedeutung dem sogenannten Smartphone gegenwärtig zugeschrieben wird, wie wir Menschen wie hypnotisierte Zombies an diesem Ding kleben, egal wo wir uns gerade befinden, auf der Straße, in der U-Bahn, im Bett. Bei jedem Pieps, bei jedem Vibrieren zucken wir zusammen, zotteln es aus unseren Taschen und starren drauf, swipen, tippen und tippen noch mehr. 

Oh, wenn Ihr wüsstet, wie tolle, leidenschaftliche Unterhaltungen, Interaktionen, Diskussionen plötzlich von diesem Gerät unterbrochen, abgeebbt, oder gar kaputt gemacht werden, wieviel Zeit man Tag und Nacht mit ihnen im Internet verbringt, als gäbe es die Wirklichkeit um uns herum nicht. 

Wenn Ihr nur wüsstet.

Mir ist durchaus bewusst, dass die Vier, die in ihrer Realität das Jahr 1998 schreiben, sich bereits mit dem Internet vertraut gemacht haben. Während meiner Recherchen zu meinem Roman versuchte ich mich zurück zu erinnern, wie es damals war. Damals, als man sich noch mit einem Modem ins Internet einwählen musste, damals, als das Chatten begann. Meine Freundin Steffi chattete immer von Fairbanks aus mit ihrem türkischen Freund, und ich entsann mich plötzlich, wie schrecklich ich diese Kommunikationsform in jener Zeit schon fand. Heute hingegen ist sie vom alltäglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Ein Glück wissen meine Figuren davon noch nicht allzu viel.

Einen kurzen Augenblick lang überlege ich, wie denn gleich die damaligen Giganten hießen, die irgendwann von noch größeren verschluckt wurden. Achja: Yahoo und AOL. Heutzutage sind es nur noch flüchtige Namen aus der Vergangenheit. 

Trotz meiner gedanklichen Abschweifungen entgeht mir Theos lautes Summen und Pfeifen nicht, das unten im Dachboden widerhallt. Ich versuche zu erraten, welche Melodie sie trällert und komme schließlich drauf: “Sweet Dreams” von Eurythmics. 

Betont lässig schlendert sie einen Moment später auf uns zu. Erneut kämpfe ich mit dem Bedürfnis, von meinem Platz aufzuspringen, um diesmal Theo in die Arme zu schließen. Mir fällt auf, dass irgendetwas an ihrem Hals baumelt, welches die Form eines Schlüssels hat. 

“Entschuldigt, ich hab’ die Zeit vergessen.“, sagt Theo und lächelt ein wenig gequält, während sie neben Gio in der letzten, freien Ecke auf der bequemen Liegecouch Platz nimmt. 

“Juls, Deine Platten sind echt spitze, muss ich zugeben!”, raunt sie mir mit ihrer tiefen Stimme zu. “Wirklich gut, vor allem ein gutes Ablenkungsmanöver.”, sagt sie weiter,  während sie sich Saft in ihr Glas gießt. Ich stutze. Einen kurzen Moment lang schaut sie mir dabei tief in die Augen und ich fühle mich plötzlich, als säße ich inmitten einer Gruppe von Verdächtigen in einem Poirot-Film und würde an dieser Stelle als Mörderin entlarvt werden. Als Theo ihren Blick in die Runde schweifen lässt, rutscht sie plötzlich mit der Öffnung des Tetra Packs am Glasrand ab, sodass sich das Glas und dessen Inhalt auf dem Tisch breitmachen. Die anderen können sich ein Kichern nicht verkneifen. Hastig hole ich ein paar Servietten hervor, die Theo und ich flink in die Saftpfütze tunken. 

“Sorry, das passiert mir immer, wenn ich nervös bin.” Sie seufzt tief. 

“Was soll’s, ich sprech’s gleich an. Sonst reden wir nur um den heißen Brei herum. 

… Juls… was wird hier eigentlich gespielt?”, fragt sie mich beim Wegwischen des Saftes und blickt mich erneut mit ihren grünen Augen forschend an. 

“Wo ist Suzanne? Sag’ uns, was mit ihr los ist! Wie lange müssen wir hier noch ausharren? …  Wir wollen alle wieder zurück, zurück in unsere Welt, zurück nach Hause!” Weiterlesen

Smart ohne Smartphone

Smartphone-losen Mann gesucht:

“Ich heiße Mila, bin 29 und ich suche einen Partner zwischen 30 und 38, der kein Smartphone besitzt oder mit dem “Smartphonen“ aufhören möchte! Gibt es Dich noch? Wenn ja, möchte ich Dich sehr gern kennenlernen!“

Mila sitzt mit verstrubbelten Haaren im pinken Morgenmantel und grünen Hauslatschen an ihrem Computer in der Küche und nimmt einen Schluck von ihrem morgendlichen Kaffee. Sie hält einen Moment inne, schnuppert mit geschlossenen Augen am feuchtwarmen Dampf über ihrer Tasse und hämmert danach weiter auf ihrer Tastatur herum: “Ich möchte mit dem Smartphonen aufhören und suche Gleichgesinnte“ oder doch lieber?: “Ich wünsche mir ausgiebige Gespräche ohne ständiges Starren auf das Handy. Kein Chatten, kein Tinder, kein Social Media / E-mail – Nachschauen im 5-Sekundentakt.“

Plötzlich klingelt es an der Wohnungstür. „Hmm, eigentlich erwarte ich niemanden“, murmelt sie. Sie schlittert mit ihren Puschen in Richtung Tür und öffnet sie. Es ist Moritz, ihr Ex. Er trägt wie immer sein ausgewaschenes, blaues uniqlo-Shirt mit einer Lederjacke darüber. Ziemlich sexy, dieses Outfit, leider… auch jetzt noch.

Weiterlesen