Zwei Brüder

Zwei Brüder 

“Mensch, gib’ doch mal ‘n bisschen Gas, Alter! Vito wird nicht ewig warten!”, brüllte Ronny. Pascal schaute Ronny mit zornigen Augen an; angespannt saß er hinter dem Steuer und beschleunigte. 

“Ich hoffe, Vito kauft uns die Geschichte ab! Du weißt doch wie er ist; er traut ja nicht mal seiner eigenen Mutter!”, sagte Pascal, während er das Lenkrad in ruckartigen Bewegungen nach links und rechts drehte. “Fahr doch nicht so’n zick zack, Bruder! Mir ist schon übel, Mann!”, murrte Ronny.   

“Willst Du fahren?” Ein erneuter vorwurfsvoller Blick wanderte zum Beifahrersitz. 

“Beruhig’ Dich mal, Alter! Schließlich erzählen wir dem Boss doch keine Märchen! Das Zeugs ist eben schwer lieferbar. Und Vito weiß auch, dass gerade zwei fette Dealer an der Grenze hochgenommen wurden. Da wird er sich schon glücklich schätzen, dass wir überhaupt was rangeholt haben.” 

Sein Bruder erwiderte nichts, sondern starrte mit grimmigem Blick geradeaus, das Lenkrad fest im Griff. Ronny drehte am Knopf der Radioanlage, aus der zwei Drähte aus einer fehlenden Taste heraus lugten, und machte sofort die Musik lauter. Aus den Boxen ertönte Bushidos neuester Hit, der die beiden sogleich in den Kopf-Wipp-Modus verfallen ließ. Ronny kurbelte die Fenster herunter. 

“Mann, die alte Karre fällt echt bald auseinander!”, blökte er, mit dem abgefallenen Kurbelgriff in der Hand. Feuchtkalte Luft drang in den klapprigen Golf. Von Wind und Mucke angespornt, trat Pascal stärker aufs Gas. Ronny streckte seinen Kopf aus dem Fenster und jubelte. Pascal übersah drei rote Ampeln, und konnte gerade noch rechtzeitig nach links ausweichen, als eine Mutter mit Kinderwagen die Straße überquerte, die ihn im letzten Moment vom Umfallen abhielt. Die beiden Brüder entkamen der Katastrophe um Haaresbreite; und das fühlte sich gut an! Sie warfen sich siegessichere Blicke zu und fühlten sich frei von sämtlichen Problemen, frei von der ständigen Anspannung. Einen Moment lang cruisten sie einfach nur durch die Straßen. Wie früher, dachten sie. Nichts und niemand konnte sie aufhalten! Sie passierten die Kreuzung des Innsbrucker Platzes, bogen schräg links in die Rubensstraße, und nun gab Pascal richtig Vollgas. Ronny jauchzte, der Motor dröhnte. SIE waren die Kings der Straßen; das Adrenalin pumpte durch ihre Adern und ließ ihre Köpfe erröten. Plötzlich sah Pascal Blaulicht im Rückspiegel. Die Sirenen hatten sie scheinbar bei der lauten Musik nicht näher kommen hören.

“Scheiße!” rief Ronny, als auch er sie bemerkte. “Los, fahr schneller!” Pascal stand mit einem Mal der Schweiß auf der der Stirn, den er sich hektisch mit seinem linken Arm abwischte. Er schaltete in den fünften Gang; sein Herz pochte. Blitzartig rückte er näher ans Lenkrad und umklammerte es noch fester. Mittlerweile fuhr er mit 150 Sachen durch die Rubensstraße. Sein Blick schweifte hinüber zu Ronny, der wie ein aufgescheuchter Hahn auf Speed ständig nach hinten schaute. Ronny jammerte aufs Neue: “Scheiße, scheiße! Sie dürfen uns nicht kriegen!” Pascals Augen verharrten an den weit aufgerissenen Augen seines Bruders. Er sah nicht, dass vor ihnen ein blauer Mini Cooper aus der Querstraße rechts in die Rubensstraße einbog. Pascal richtete seine Augen nun erneut auf die Straße und schrie. Mit aller Kraft trat er auf die Bremse und lenkte nach rechts. Plötzlich knallte es. Die beiden Brüder wurden vom harten, dumpfen Aufprall ruckartig nach vorne gedrückt. Ein Laternenmast…
Pascal sah für einen kurzen Augenblick alles in gelb eingehüllt, ein Piepen in seinen Ohren ertönte. Die Zeit stand still. Er blickte zu Ronny, dem Blut über die Stirn lief, die Sirenen waren inzwischen ohrenbetäubend laut und ganz nah. Er schaute über seine rechte Schulter und sah eine weiße Wolke aus dem offenen Kofferraum empor steigen. Sie tanzte in der Luft umher, wie Schnee. Dann wurde die Welt um ihn herum schwarz.                                   

Autor: Julla P.                    

Smart ohne Smartphone

Smartphone-losen Mann gesucht:

“Ich heiße Mila, bin 29 und ich suche einen Partner zwischen 30 und 38, der kein Smartphone besitzt oder mit dem “Smartphonen“ aufhören möchte! Gibt es Dich noch? Wenn ja, möchte ich Dich sehr gern kennenlernen!“

Mila sitzt mit verstrubbelten Haaren im pinken Morgenmantel und grünen Hauslatschen an ihrem Computer in der Küche und nimmt einen Schluck von ihrem morgendlichen Kaffee. Sie hält einen Moment inne, schnuppert mit geschlossenen Augen am feuchtwarmen Dampf über ihrer Tasse und hämmert danach weiter auf ihrer Tastatur herum: “Ich möchte mit dem Smartphonen aufhören und suche Gleichgesinnte“ oder doch lieber?: “Ich wünsche mir ausgiebige Gespräche ohne ständiges Starren auf das Handy. Kein Chatten, kein Tinder, kein Social Media / E-mail – Nachschauen im 5-Sekundentakt.“

Plötzlich klingelt es an der Wohnungstür. „Hmm, eigentlich erwarte ich niemanden“, murmelt sie. Sie schlittert mit ihren Puschen in Richtung Tür und öffnet sie. Es ist Moritz, ihr Ex. Er trägt wie immer sein ausgewaschenes, blaues uniqlo-Shirt mit einer Lederjacke darüber. Ziemlich sexy, dieses Outfit, leider… auch jetzt noch.

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Auf der Damentoilette

In einer Bar in Florida

Menschen starren wie gebannt auf einen Fernseher, der über der Theke an der Wand hängt.

Frau D. -Mitte/Ende 20- beginnt zu würgen und zu weinen. Sie klettert – etwas wackelig und benommen – von ihrem Barhocker hinunter, steuert die Toilette an und stützt sich an einem Tisch ab, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Frau R., um die 50 und gut im Stand, sitzt an diesem Tisch und greift Frau D. sanft unter den Arm. „Honey, beruhigen Sie sich doch! Kann ich Ihnen irgendwie helfen?“

„Ich, ich kann es einfach nicht fassen!“, stammelt Frau D. und schaut bestürzt ins Leere.

„Ich verstehe nicht, was Sie haben, junge Frau? Es ist doch ganz fantastisch!“, sagt Frau R. lachend. „Genau das haben wir uns doch hier alle gewünscht!“

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Abriss eines gewöhnlichen Morgens

Morgens:

“Paaaaaaapa, Maaaaaamaaaaaaaa!!!” hämmert es betäubend in meinen Ohren.

Gerade packe ich noch wild Koffer und scheine dabei immer irgend etwas zu vergessen. Ich bereite mich auf eine Zugreise vor, es ist jedoch alles etwas schwammig…. das „Paaaaapaaaaaa!“ unterbricht meine hektischen Bewegungen, chaotisch meine zerknitterten Kleider in den Koffer zu schmeißen. Ich wache auf und mein Kopf schmerzt. Weiterlesen